
Konfrontation mit dem Westen verleiht dem russischen Export von Nicht-Rohstoffgütern neuen Schwung

Von Olga Samofalowa
Im vergangenen Jahr stieg das Volumen der russischen Warenexporte aus dem Nicht-Energiesektor um neun Prozent und erreichte 1,7 Billionen Rubel. Das erklärte der russische Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit der Generaldirektorin des Russischen Exportzentrums (REZ), Weronika Nikischina, im Kreml.
Julia Katassonowa, leitende Direktorin für Ratings von Nichtfinanzunternehmen und ESG bei der Ratingagentur NRA, erklärt:
"Der wichtigste Wachstumstreiber ist die umfassende Neuausrichtung der Handelsströme vom Westen nach Osten und Süden. Seit dem Jahr 2021 hat sich der Anteil befreundeter Länder an den russischen Exporten fast verdoppelt – auf 85 Prozent. China, Indien, Weißrussland und Kasachstan sind zu den wichtigsten Partnern geworden. Der zweite Faktor ist der Anstieg der Industrieproduktion, der ein entsprechendes Warenangebot für den Export geschaffen hat."

Gleichzeitig nahm die Abhängigkeit von den Märkten unfreundlicher Staaten deutlich ab. Während im Jahr 2021 nach Angaben des russischen Industrie- und Handelsministeriums etwa 55 Prozent der Exporte auf diese Länder entfielen, waren es im Jahr 2025 nur noch 25 Prozent.
Zum wichtigsten Absatzmarkt für russische Produkte ist China geworden, wobei der Handelsumsatz mit diesem Land rasant wächst. Neben den traditionellen Brennstoffen würden auch Fleisch, Meeresfrüchte, Süßwaren, Erzeugnisse der Chemie- und Forstindustrie sowie Hightech-Produkte und Erzeugnisse der Leichtindustrie an chinesische Verbraucher geliefert, erklärte die Leiterin des Russischen Exportzentrums.
Dank der gezielten Förderung russischer Marken werden russische Milchprodukte, Fleisch, Schokolade und Babynahrung chinesischen Verbrauchern immer vertrauter.
Auch die Logistikstruktur für den Warentransport von Russland nach China hat sich verändert. Neben anderen Transportwegen kommen nun auch direkte Containerzüge zum Einsatz, die über Kasachstan und die Mongolei verkehren. Nach Angaben des Russischen Exportzentrums wurde für kleine Exportunternehmen aus Russland eine spezielle Route namens "Exportexpress für KMU" eingerichtet.
Dabei handelt es sich um regelmäßige Abfahrten ganzer Containerzüge, in denen kleine Frachtpartien kleiner und mittlerer Unternehmen ab einem Frachtvolumen von einem Container gesammelt werden. Die Züge fahren direkt zu den wichtigsten Verteilzentren – Xi’an, Qingdao, Chengdu und Suifenhe. Dort können Hersteller ihre Waren zu vergünstigten Konditionen lagern und sogar einzelne Lose verkaufen. Auf diese Weise wird praktisch alles transportiert – von Tiefkühlfleisch und Süßwaren bis zu Erzeugnissen der chemischen Industrie.
Den größten Beitrag zum Wachstum des russischen Exports von Nicht-Rohstoffgütern leisteten der Maschinenbau, der um 28 Prozent zulegte, sowie die Chemie- und Metallindustrie.
Katassonowa sagt:
"Russland lieferte Ausrüstung für die Elektrizitätswirtschaft, die Öl- und Gasindustrie sowie den Eisenbahnsektor – Bereiche, in denen das Land über ausreichende Kompetenzen verfügt. Bei den Produkten der Mineraldünger- und Chemieindustrie zeigte sich eine außergewöhnliche Stabilität, wobei die globale Wettbewerbsfähigkeit und die Nachfrage selbst in nicht befreundeten Ländern erhalten blieben."
Wladimir Tschernow, Analytiker bei Freedom Global, erklärt:
"Die Metallindustrie profitierte von der Nachfrage nach Bunt- und Eisenmetallen sowie von den hohen Weltmarktpreisen für einen Teil ihrer Erzeugnisse."
Natürlich wären diese Exporte nicht möglich gewesen, wenn die Produktion im Inland nicht gestiegen wäre. Und vor allem die verarbeitende Industrie erzielte ein herausragendes Ergebnis: Sie verzeichnete in drei Jahren einen Zuwachs von fast 23 Prozent, wie der russische Ministerpräsident Michail Mischustin kürzlich erklärte. Nach Schätzungen des russischen Wirtschaftsministeriums wuchs die verarbeitende Industrie im Jahr 2025 um weitere 3,6 Prozent, nachdem sie bereits im Jahr 2024 ein starkes Wachstum von 9,1 Prozent verzeichnet hatte.
Katassonowa erläutert:
"Besonders bemerkenswert war für uns, dass die verarbeitende Industrie den Rohstoffsektor hinter sich ließ, der so lange die tragende Säule der russischen Exporte gewesen war. Dieser Durchbruch wurde durch die Importsubstitution ermöglicht, die sich unter dem Druck der Sanktionen drastisch beschleunigte, sowie durch massive Investitionen – mehr als 21 Billionen Rubel flossen in das Kapital dieses Sektors – und durch die strukturelle Anpassung der Produktionsketten."
Tschernow ist der Ansicht:
"Dies ist in der Tat ein starkes Ergebnis für die russische Wirtschaft. Es ist insofern einzigartig, da nach dem Jahr 2022 angesichts der Sanktionen, des Weggangs eines Teils der Lieferanten sowie der Probleme mit der Ausrüstung, dem Zahlungsverkehr und der Logistik eher mit einem Rückgang der Industrie als mit Wachstum zu rechnen war. Stattdessen haben einige Branchen rasch die frei gewordenen Nischen auf dem Binnenmarkt besetzt und anschließend begonnen, verstärkt auf ausländische Märkte vorzudringen. Das Wachstum ist also nicht nur auf das hohe Niveau der staatlichen Nachfrage zurückzuführen, sondern auch auf eine tatsächliche Umstrukturierung der Industrie."
In diesem Jahr könnte die Lage jedoch nicht so rosig aussehen. Tschernow erklärt:
"Im ersten Quartal 2026 stiegen die Nicht-Rohstoff- und Nicht-Energieexporte (NNE) um 8,2 Prozent auf 37,7 Milliarden US-Dollar, das heißt, die positive Dynamik hält vorerst an. Im weiteren Verlauf wird jedoch vieles vom Rubelkurs, den Logistikkosten, der Auslandsnachfrage, der Zahlungsabwicklung mit den Partnern sowie den Preisen für Metalle, Düngemittel und andere Industrieerzeugnisse abhängen."
Russlands Ziele für das Wachstum der NNE sind ehrgeizig. Bis zum Jahr 2030 sollen diese Exporte gegenüber 2023 um 67 Prozent steigen – vorrangig durch eine Ausweitung der Ausfuhren von Industrieerzeugnissen. Wird das gelingen?
Katassonowa merkt an:
"Ein zentrales Instrument hierfür wird die Beseitigung systemischer Hindernisse sein. Notwendig sind der Ausbau der Transportkorridore und Häfen sowie eine bessere Logistikanbindung nach Osten und Süden. Zugleich muss der Zugang zu Finanzmitteln durch vergünstigte Kredite und die Versicherung von Exportgeschäften erweitert werden. Es bedarf aktiver Maßnahmen zur Beseitigung von Handelshemmnissen sowie einer technologischen Weiterentwicklung der Produkte."
In Richtung China sind entsprechende Maßnahmen bereits im Gange. So werden unter anderem die Terminals in Sabaikalsk, Artjom und Kani-Kurgan modernisiert.
An die Stelle komplexer Transittransporte auf dem Seeweg treten zunehmend bequemere Direktverbindungen. Es ist jedoch noch erforderlich, die "Engpässe" in östlicher Richtung – an den Übergängen Sabaikalsk, Machalino und Grodekowo – zu beseitigen.
Die Umstellung auf den elektronischen Dokumentenverkehr werde laut dem Russischen Exportzentrum die Lieferungen russischer Produkte nach China ebenfalls vereinfachen und beschleunigen. Dies sei besonders für die Ausfuhr von Fisch, Fleisch und Geflügel von Bedeutung – Produkten, die in China stark nachgefragt werden.
Tschernow fasst zusammen:
"Die Hauptaufgabe besteht nicht darin, einfach mehr Rohstoffe mit geringem Verarbeitungsgrad zu verkaufen, sondern die Exporte von Produkten mit höherer Wertschöpfung zu steigern. Zu den größten Problemen zählen hohe Logistikkosten, Schwierigkeiten im Zahlungsverkehr, Zertifizierungsauflagen, das unzureichende Servicenetz im Ausland und der hohe Leitzins im Inland. Ohne eine Lösung dieser Probleme wird es zwar Wachstum geben, doch ein Plus von 67 Prozent dürfte nur schwer zu erreichen sein."
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 8. Juli 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung "Wsgljad".
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