Russland

Wieder zurück und bald in Massen: Chinesische Touristen in Russland

Während das Kabinett Scholz selbst den Millionen in Deutschland lebenden Russen und Russlanddeutschen Kontakte und Reisen in ihre Heimat erschwert, steht der chinesische Tourismus in Russland nach zweijähriger COVID-Zwangspause vor einer neuen Blüte.
Wieder zurück und bald in Massen: Chinesische Touristen in RusslandQuelle: Sputnik © Ramil Sitdikow / RIA Nowosti

Von Swetlana Bajewa, RIA Nowosti

Vergangene Woche ist die erste Gruppe von Reisenden aus China, die Russland nach der Pandemie besucht hat, nach Hause gefahren. Das Interesse unserer Medien war überwältigend – so sehr, dass sich die Touristen bereits geweigert haben, sich interviewen zu lassen. Am letzten Tag machten sie jedoch eine Ausnahme für RIA Nowosti. Sie sagen, dass sie die Reise genossen haben. Und dass sie wiederkommen wollen. Sergiew Possad, ein Restaurant mit russischer Küche und der Arbat mit seinen Souvenirhändlern stehen noch auf dem Programm. Die Gäste aus China erzählten von ihren Eindrücken, und die russischen Gastgeber sprachen über Probleme und Besonderheiten des chinesischen Tourismus in Russland.

War im Winter da, wird im Sommer wiederkommen

"Ich bin zum zweiten Mal in Russland, das erste Mal war ich in Murmansk, um die Nordlichter zu sehen", sagt Tan Kaishan. "Mir hat alles an dieser Reise gefallen, es war sehr fröhlich. Wir wurden überall von hochrangigen Beamten der Tourismusbehörden empfangen."

Für die Gäste wurde ein umfangreiches Programm organisiert. In Sankt Petersburg besuchten sie die Eremitage und die Zarenpaläste in Zarskoje Selo, Peterhof, Pawlowsk und die Militäranlagen in Kronstadt. Sie erhielten eine exklusive Führung durch die Baustelle des neuen Marinemuseums, das am 30. Juli, dem Tag der Marine, eröffnet werden soll.

"Alles war sehr beeindruckend, aber was mich am meisten beeindruckt hat, war die Kirche des Erlösers auf vergossenem Blut und ihre Inneneinrichtung",

sagt Tan Kaishan.

Li Chuanyue, der Russland zum ersten Mal besucht, gefielen die Freundlichkeit der Gastgeber, die reiche Kultur des Landes, die schöne Architektur und die Landschaften. Einer der Gründe für seine diesjährige Urlaubsplanung sind die besonderen Beziehungen zwischen dem russischen und dem chinesischen Volk. Der Tourist möchte im Sommer oder im Herbst wiederkommen.

"Die Idee, nach Russland zu reisen, bestand schon lange, noch vor dem Coronavirus", erklärt Qiu Jaoming. "Es waren die Stärken Ihrer Geschichte, die schönen Aussichten, die mich angezogen haben."

Er sagt, dass die Reise seine Erwartungen voll erfüllt hat, vor allem was Sankt Petersburg betrifft:

"Ich habe genau das gesehen, was ich mir vorgestellt habe. Jetzt habe ich einen neuen Traum: die berühmten Springbrunnen von Sankt Petersburg im Sommer zu sehen."

Wir brauchen uns für nichts schämen

Laut dem Reiseleiter der Gruppe, Zhang Xuexiong, gab es bei der Organisation der Veranstaltung keine Pannen:

"Alles ist perfekt, es gibt keine Unzulänglichkeiten. Ich war schon viele Male in Russland und kann sagen: Nach der Pandemie hat sich nichts geändert, alles ist wie früher. Das Programm ChinaFriendly funktioniert."

In Moskau und Sankt Petersburg gibt es viele Schilder an öffentlichen Plätzen, Speisekarten in Restaurants, einige Informationen in Geschäften sind ins Chinesische übersetzt. "Ich denke, ein Chinese hätte keine Probleme, sich zurechtzufinden", sagt Alexander Flit, Generaldirektor des Reiseunternehmens Nika, das die erste Gruppe von Touristen aus dem Reich der Mitte beherbergte. Er fügt hinzu: 

"Vielleicht ist die Übersetzung irgendwo nicht ganz korrekt, aber sie ist verständlich. Museen bieten Führungen auf Chinesisch mit lizenzierten, qualifizierten Dolmetschern an. Wir brauchen uns für nichts zu schämen. Alle Informationen, die auf Chinesisch vervielfältigt werden, entsprechen den Vorschriften. Vorbei sind die Zeiten, als der Rote Platz in offiziellen Reiseführern als 'Rote Wurst' und der Sitz des Orthodoxen Patriarchen als 'Bauernhof der vernachlässigten Mädchen' übersetzt wurde." 

Die russischen Regionen warten auf Reisende aus China

Im russischen Fernen Osten wurde der Grenzübergang Dunnin-Poltawka Ende Februar in Betrieb genommen, erste Touristengruppen nutzten ihn bereits. 

"Die Region Primorje ist bereit, Besucher aus allen Ländern zu empfangen. Es geht nicht um Schilder oder Navigation auf Chinesisch oder Englisch. Sobald der Umfang der Nachfrage feststeht, werden wir uns umgehend darauf einstellen",

erklärt Arsenij Krepskij, seines Zeichens Leiter der Tourismusagentur in Wladiwostok. Es gebe einen Mangel an Touristenbussen großer Kapazität, aber dieses Problem werde gelöst, sobald die Struktur der Touristenströme klar ist, so Krepskij.

Die sanktionsbedingten Beschränkungen der Nutzung ausländischer Visa- und Mastercard-Karten in Russland haben Gäste aus China nicht besonders betroffen. WeChat Pay und das internationale Zahlungssystem UnionPay sind verfügbar. An einigen Orten werden die Karten dieser Systeme akzeptiert, Bargeld an Geldautomaten kann problemlos abgehoben werden.

Chinesisches Geld bleibt in China?

Bereits 2017 wurde diskutiert, dass immer mehr Mini-Hotels und Hostels am Baikalsee von Chinesen betrieben werden. Grundstücke in den Baikal-Dörfern werden aufgekauft, darauf werden niedrige Häuser gebaut, und chinesische Touristen kommen dorthin. Die meisten Hütten sind reine Privatgrundstücke, und die Gäste sind quasi Privatgäste der Eigentümer.

Es wurde von Geschäften berichtet, etwa mit Bernstein, in denen die Preise für die Produkte um das Zehnfache überhöht sind, wobei diese Geschäfte nur Reisende aus der VR China bedienen.

Irina Wolkowa, Leiterin der internationalen Abteilung von Academservice, bestätigt, dass sich Restaurants, Hotels, Souvenirläden, Transportunternehmen und Busse häufig im Besitz chinesischer Staatsbürger befinden:

"Das ist nicht verboten. Chinesen versuchen, Geld zu machen, wo immer sie können. Das chinesische Geld sollte bei den Chinesen bleiben, ist deren Motto."

Alexander Flit hält dagegen: 

"Aufgrund der Einstellung des Touristenverkehrs (in der Covid-Zeit - d. Red.) haben einige chinesische Reisebüros, Restaurants und Souvenirläden aufgegeben. Die Museen hier sind ohnehin nicht im Besitz der Chinesen. Wir werden sehen, wie sich die Situation entwickelt."

Nicht alle sehen ein Problem in der chinesischen Dominanz im Beherbergungsgewerbe:

"Chinesische Unternehmen in aller Welt ziehen es vor, mit ihren Landsleuten zusammenzuarbeiten", erklärt Arseni Krepskij. - "Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass, selbst wenn Touristen aus dem Reich der Mitte in einem Hotel untergebracht sind, dessen Gründer aus China stammen, ein solches Unternehmen steuerlich in Russland ansässig ist und seine Steuern in den russischen Haushalt fließen."

Wer die Führungen leitet

Darüber, wie es früher einmal war, hat ein Leiter eines der Moskauer Museen, der anonym bleiben wollte, viele Anekdoten parat: 

"Ich wurde einmal von weiblichen Mitarbeitern, die eine Touristengruppe begleiteten, darauf angesprochen, was für merkwürdige Dinge die Reiseführer den Chinesen über Alexander Puschkin erzählen. In der chinesischen Übersetzung hieß es wörtlich, Puschkin sei aus Afrika nach Russland gekommen, um die Geburtenrate zu erhöhen. Und er soll mit (seiner Ehefrau - d. Red.) Natalia Gontscharowa in Versen kommuniziert haben, weil er nicht anders konnte."

Während der Pandemie wurde ein Gesetz über Dolmetscher und Reiseleiter erlassen, das vorschreibt, dass sie die russische Staatsbürgerschaft besitzen und in Russland akkreditiert sein müssen.

"In unserer Region wurden die Fremdenführer bereits freiwillig zertifiziert, lange bevor dies zur Pflicht wurde",

so der Leiter der Tourismusagentur der Region Primorje.

Auch in Moskau und Sankt Petersburg wird den Fremdenführern besondere Aufmerksamkeit zuteil. Alexander Flit:

"Das Verfahren ist etabliert. Von chinesischer Seite kommt ein Reiseleiter, der für die Gruppe und die organisatorischen Aspekte verantwortlich ist, aber die Tour nicht leitet. Der eigentliche Reiseleiter braucht eine Ausbildung und eine Genehmigung, eine Lizenzkarte."

Russland ist empfangsbereit, aber Visumspflicht behindert das Wachstum

Russland wartet auf Besucher aus China, aber Experten haben noch keine eindeutige Antwort darauf, ob sie in demselben Umfang wie vor der Pandemie kommen werden. Irina Wolkowa:

"Reisende aus China sind an unserem Land interessiert. Alles hängt davon ab, inwieweit die chinesischen Reiseveranstalter bereit sind, Kunden zu uns zuschicken."

Sie rechnet damit, dass sich der chinesische Tourismus nach Russland beleben wird, wenn Charterprogramme eingeführt werden und der visafreie Gruppenaustausch wieder erlaubt wird. Auch Alexander Flit bestätigt, dass die Visafreiheit mit der Volksrepublik China wieder eingeführt werden muss. 

Reisen nach Russland sind immer noch recht teuer, die Preise sind doppelt so hoch wie vor der Pandemie. Aber es gibt auch einen Silberstreif am Horizont: Man verzeichne eine steigende Nachfrage nach hochklassigen Reisen aus China. Arseni Krepskij, der Tourismuschef von Wladiwostok, beteuert, dass seine Behörde mit Veranstaltern in Peking und Schanghai zusammenarbeite. Die chinesischen Partner setzen auf Direktflüge und erwarten, dass sie Reisen von fünf Tagen oder mehr verkaufen können. Früher kamen die Besucher aus China häufig nur für zwei oder drei Tage.

Die Zukunft liegt also in möglichst vielen direkten Flugverbindungen und dem visafreien Reisen. Dann werden die chinesischen Touristen, die heute ihren Heimflug antraten, zurückkehren und Russland im Sommer besuchen – ganz so, wie sie es sich erträumen.

Übersetzung aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 2. März auf ria.ru. 

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