Deutschland

Krise der Autoindustrie-Zulieferer: Bosch streicht in Nürnberg die Hälfte der Arbeitsplätze

Die Hiobsbotschaften für die Beschäftigten in der Automobilbranche reißen nicht ab. Der Autozulieferer Bosch hatte bereits den Abbau zehntausender Stellen in Deutschland angekündigt. Nun wird bekannt: Das reicht nicht aus. Auch im Nürnberger Werk muss Bosch die Anzahl der Stellen halbieren.
Krise der Autoindustrie-Zulieferer: Bosch streicht in Nürnberg die Hälfte der Arbeitsplätze

Bereits seit März 2026 ist klar: Der Bosch-Konzern wird in seiner deutschen Zulieferer-Sparte bis zum Jahr 2030 rund 22.000 Arbeitsplätze abbauen. 4.000 Stellen sind allein im ersten Halbjahr 2026 bereits weggefallen. Doch dieser Stellenabbau genügt offenbar nicht. Wie jetzt bekannt wurde, will Bosch auch die Belegschaft im Werk Nürnberg um mehr als die Hälfte reduzieren. Dies berichten Bild und der Bayerische Rundfunk (BR).

Eine Konzernsprecherin hat gegenüber dem BR bereits bestätigt, dass bis zum Jahr 2029 am Standort in der Zweibrückener Straße 900 Stellen gestrichen werden sollen. Der Stellenabbau solle "möglichst sozialverträglich" erfolgen. Derzeit beschäftigt Bosch in Nürnberg rund 1.700 Mitarbeiter.

Bild zitiert aus einer Mitteilung des Unternehmens: "Diese Entscheidung fällt uns überaus schwer, da sie für unser engagiertes Team in Nürnberg tiefgreifende Auswirkungen hat. Wir müssen jedoch unsere Strukturen an das veränderte Marktumfeld anpassen und unsere Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen", heißt es da.

Grund für den erneuten Stellenabbau sind laut Bosch die Transformation der Automobilindustrie sowie der zunehmende Wettbewerb und der Preisdruck in der Automobilsparte. Dies betrifft vor allem die Konkurrenz aus China, die den deutschen Autobauern und deren Zulieferern stark zusetzt. Das Unternehmen konstatiert eine Stagnation des weltweiten Automarkts. In Europa sei die Nachfrage sogar rückläufig.

Den Mitarbeitern in Nürnberg wurde zum Verhängnis, dass der mittelfränkische Standort fast ausschließlich von der Produktion von Verbrenner-Bauteilen abhängt, einer Sparte, die durch die Entwicklung der Elektromobilität zunehmend an Bedeutung verliert.

Die ebenfalls in Nürnberg hergestellten Brennstoffzellen für Wasserstoffantriebe reichten nicht aus, um das Nürnberger Werk im nötigen Umfang zu stützen, und hätten – so die Berichte – die in sie gesetzten Erwartungen bisher nicht erfüllt. Der dadurch entstehende Personalüberhang in Nürnberg sei für den Konzern auf lange Sicht nicht mehr wirtschaftlich tragbar. Am Montagnachmittag wurden deshalb die Nürnberger Beschäftigten über den anstehenden Stellenabbau informiert.

Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert die geplante Streichung von Arbeitsplätzen als "Kahlschlag-Pläne" und glaubt nicht daran, dass damit das Ende der Job-Verluste erreicht ist. Bosch verlange von den Arbeitnehmern "weitere 15 Prozent Personalkosteneinsparungen", mache aber selbst keine festen Zusagen, was die Zukunft des Werks angehe. Die IG Metall wollte daher eine vollständige Aufgabe des Standorts Nürnberg durch Bosch nicht ausschließen.

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