Deutschland: Schwindende ÖPNV-Beliebtheit bei Bürgern – wer kann, nimmt das Auto

Deutschland: Schwindende ÖPNV-Beliebtheit bei Bürgern – wer kann, nimmt das Auto© Urheberechtlich geschützt
Das Ergebnis der "HUK-Mobilitätsstudie" belegt die hohe Unzufriedenheit der Bürger mit Angeboten der Bahn, wie auch dem ÖPNV. So würden 35 Prozent der Befragten mittlerweile bewusst Bahnfahrten vermeiden. Das beliebteste Verkehrsmittel bleibt demnach mit weitem Abstand der eigene Pkw.

"Rote Karte für die Bahn, Stillstand beim ÖPNV und Ermüdung bei der Fahrrad-Begeisterung", so die Zusammenfassung der Medien zum Ergebnis der diesjährigen Mobilitätsstudie der Versicherung HUK Coburg. Die Studienmacher wollten erfahren, welches Fortbewegungsmittel beim täglichen Meistern des Alltags von den Bürgern favorisiert wird. Über drei Viertel (76 Prozent) gaben demnach an, dass das eigene Auto, "unabhängig von der Art des Antriebs", laut aktueller Wahrnehmung "auch in den nächsten fünf Jahren ihre Kriterien für die Wahl des Verkehrsmittels am besten erfüllen werde".

Das beliebteste Verkehrsmittel bleibt bei den Bundesbürgern mit weitem Abstand der eigene Pkw, so das Ergebnis der diesjährigen Mobilitätsstudie der HUK Coburg, die seit dem Jahr 2021 regelmäßig durchgeführt wird. Die diesjährigen Angaben fallen dabei für den öffentlichen Verkehr (ÖPVN) sowie die überregionalen Bahnanbieter nicht gut aus. Dazu heißt es laut HUK-Agenturmeldung:

"Mehr als jeder dritte Bundesbürger (35 Prozent) versucht inzwischen, 'Bahnfahrten, wenn irgend möglich, zu vermeiden'. Bus sowie Straßen- und S-Bahn stagnieren in der Beliebtheit seit bereits fünf Jahren – obwohl sich gleichzeitig viele Hoffnungen darauf richten."

Weitere Angaben lauten, dass mehr als ein Viertel der Befragten demzufolge "wichtige Termine grundsätzlich nicht mehr mit der Bahn" wahrnehmen oder Reisen nur noch "mit deutlich größeren Zeitpuffern" planen. 

Die Pünktlichkeit im Fernverkehr der Deutschen Bahn hat dabei im vergangenen Jahr einen neuen Tiefstand erreicht. Einem Bild-Bericht zu Jahresbeginn zufolge lag diese im Jahr 2025 "bei 60,1 Prozent und war damit noch niedriger als 2024 mit 62,5 Prozent". Zum Vergleich heißt es, dass zehn Jahre zuvor die Quote noch bei 74,4 Prozent lag.

Zum Thema der schwindenden ÖPVN-Nutzung legt die HUK-Auswertung dar, dass "die Hauptpfeiler", also Straßenbahn-, S-Bahn- und Busangebote, konstant seit dem Jahr 2021 "von nur maximal 13 Prozent der Bundesbürger als Verkehrsmittel der Zukunft eingestuft werden". Erkenntnisreiche Angaben erfolgten auch zum Lieblingsthema, den Forderungen nach "autofreien Innenstädten" und generellen Verkehrsberuhigungen, seitens der Grünen und ihrer Stammwählerklientel. So heißt es:

"Die Einschätzung des Fahrrads als Verkehrsmittel der Zukunft ist seit den Corona-Jahren inzwischen sogar um mehr als ein Drittel eingebrochen – auf nicht einmal heute jeden fünften Befragten (16 Prozent)."  

Hier hätten die Antworten der jüngeren Befragten "überrascht". Gerade junge Menschen bewerten demnach die Bahn als Verkehrsmittel der Zukunft "deutlich zurückhaltender als andere Altersgruppen". Erweitert heißt es zu den Ergebnissen zum Thema Mobilität:

"Parallel dazu gewinnt das Auto wieder an Bedeutung – quer durch alle Altersgruppen. Auch wenn Mehrfachnennungen möglich waren, gilt das Auto für 76 Prozent als bevorzugtes Verkehrsmittel der Zukunft."

Zu den HUK-Ergebnissen erklärte ein Mobilitätsforscher gegenüber dem ZDF, dass ein "zentraler Faktor" für die Angaben sei, dass die aktuelle Sanierungspolitik der Bahn diesen Trend forcieren würde. Langfristige Sperrungen wichtiger Strecken "zwängen viele Nutzer zum Umstieg". Wenn über Monate zentrale Verbindungen baubedingt entfallen, würden die Menschen beim täglichen Versuch, den Alltag zu meistern, unkomplizierte und zuverlässige Alternativen suchen, "und das ist meist das Auto".

Die Hinwendung zum Auto stelle dabei nicht unbedingt eine Freude dar, sondern die nüchterne "Zwangsfolge fehlender Alternativen". Dabei würde das Autofahren mittlerweile ebenfalls unter maroder Infrastruktur und steigenden Kosten leiden, so Prof. Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Enttäuschung, Stress und Frust bei den Bürgern betreffe laut seinen Untersuchungen "inzwischen alle Verkehrsträger". Dies zuletzt auch bedingt durch die steigenden Tankkosten.

Die HUK-Coburg ist ein großer deutscher Versicherer, der unter anderem Versicherungen für Autos, Haftpflicht und Hausrat anbietet.

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